Megasöphagus beim Hund
Der Megaösophagus ist eine funktionelle Störung der Speiseröhre, die beim Hund relativ häufig, bei der Katze hingegen seltener vorkommt. Er ist durch eine gestörte Nahrungspassage mit Ansammlung von Futter, Wasser und Luft im Inneren der Speiseröhre sowie eine daraus resultierende passive Erweiterung des Organs gekennzeichnet.
Dieses chronische Krankheitsbild führt zu einer Schädigung des submukösen und myenterischen Nervengeflechts, wodurch die Kontraktionsfähigkeit der Speiseröhre vermindert wird. Die motorische Reaktion auf den Schluckreiz nimmt stark ab und endet schließlich in einer vollständigen Lähmung des Organs. Betroffene Tiere sterben daher häufig infolge von Mangelernährung und der Entwicklung einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch eingeatmete Nahrung).
Es werden drei Formen des Megaösophagus unterschieden:
Angeborener idiopathischer totaler Megaösophagus (ICTM)
Diese Form macht etwa 70 % aller Megaösophagus-Fälle aus. Ursache ist eine Unreife des Nucleus ambiguus und des Nucleus solitarius. Prädisponierte Rassen sind Deutsche Dogge, Irischer Setter, Zwergschnauzer, Rauhaar-Foxterrier, Bretonischer Spaniel, Mops, Shar-Pei, Neufundländer sowie Mischlinge. Die Erkrankung tritt bei diesen Rassen mit einer Häufigkeit von etwa 3 ‰ auf. Beim Deutschen Schäferhund ist die Inzidenz etwa zehnmal höher. Eine erbliche Komponente konnte bisher nur beim Zwergschnauzer und beim Foxterrier nachgewiesen werden.
Erworbener sekundärer Megaösophagus
Diese Form tritt häufig im Zusammenhang mit Erkrankungen auf, die die Muskulatur oder die Nervenversorgung der Speiseröhrenwand betreffen.
Erworbener idiopathischer Megaösophagus (MIA)
Dieses Syndrom betrifft vor allem erwachsene Hunde im Alter zwischen 7 und 15 Jahren, ohne besondere Rasse- oder Geschlechtsprädisposition. Ursache ist ein Defekt der neuronalen Reizweiterleitung, der zu einer teilweisen oder vollständigen Lähmung der Speiseröhre führt, während der Druck im Bereich des gastroösophagealen Schließmuskels normal bleibt.
Klinisch zeigt sich der Megaösophagus durch Beschwerden nach der Futteraufnahme, wie:
Strecken von Kopf und Hals
Wiederholte Schluckversuche
Vermehrtes Trinken (Polydipsie)
Verstärkter Speichelfluss (Ptyalismus)
Regurgitation (Zurückfließen von Futter), die nicht immer unmittelbar mit der Fütterung zusammenhängt und unterschiedlich häufig auftreten kann
Zusätzlich können folgende Symptome auftreten:
Mundgeruch
Gewichtsverlust
Wachstumsverzögerung bei der angeborenen Form
Schwäche
Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie)
Husten
Nasenausfluss
Fieber
Aspirationspneumonie
Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte sowie auf:
Röntgenaufnahmen des Brustkorbs
Kontrastmitteluntersuchung der Speiseröhre (Ösophagogramm)
Ösophagoskopie
gegebenenfalls Fluoroskopie
Behandlungsstrategien
Die bisher angewandten Therapien lassen sich in konservative (medikamentöse) und chirurgische Behandlungen unterteilen.
Medikamentöse Therapie
Bei Hunden mit Megaösophagus wurde der Einsatz von Prokinetika wie Metoclopramid oder Cisaprid empfohlen, um die Beweglichkeit der glatten Muskulatur zu fördern. Diese Medikamente steigern jedoch lediglich die Kontraktion des gastroösophagealen Schließmuskels und haben keinen Einfluss auf die quergestreifte Muskulatur der Speiseröhre des Hundes.
Die Fütterung in aufrechter Position sowie die Aufteilung der Nahrung in mehrere kleine Mahlzeiten führt lediglich bei etwa 5 % der Patienten zu einer klinischen Verbesserung.
Chirurgische Therapie
In der Veterinärmedizin wurden die Kardiomyotomie (Heller-Myotomie) und die Wendel-Kardioplastik aufgrund des häufig auftretenden gastroösophagealen Refluxes und der dadurch verstärkten Ösophagitis weitgehend aufgegeben.
Im Jahr 2000 veröffentlichte P. Torres die Ergebnisse eines von ihm entwickelten chirurgischen Verfahrens, der sogenannten Ösophago-Diaphragma-Kardioplastik (CED), die bei zehn Welpen mit angeborenem idiopathischem totalem Megaösophagus durchgeführt wurde.
Im Jahr 2004 präsentierten G. Mazzocchi, A. Rasparini und M. Sinelli auf dem 11. Nationalkongress der SICV die erste Durchführung dieses Eingriffs bei einem erwachsenen Hund.
Im Jahr 2005 veröffentlichten dieselben Autoren die erste italienische Studie über die Anwendung der Ösophago-Diaphragma-Kardioplastik bei erworbenem idiopathischem Megaösophagus des erwachsenen Hundes.
Im Jahr 2008 berichteten Mazzocchi und Rasparini über ihre Erfahrungen mit sechs Welpen, die an angeborenem idiopathischem totalem Megaösophagus litten und mittels CED behandelt wurden.
Schlussfolgerung
Auf Grundlage der von P. Torres im Jahr 2000 sowie von unserem Zentrum seit 2003 durchgeführten Studien zu dieser schwerwiegenden Erkrankung können wir feststellen, dass die Ösophago-Diaphragma-Kardioplastik nach Torres derzeit die einzige Behandlungsmethode darstellt, die den Nahrungstransport durch die Speiseröhre nachhaltig verbessern kann.
Dieser chirurgische Eingriff ist in der Lage, Hunden mit angeborenem idiopathischem totalem Megaösophagus (ICTM) sowie erworbenem idiopathischem Megaösophagus (MIA) eine gute Lebensqualität zurückzugeben – vorausgesetzt, die Diagnose erfolgt frühzeitig, bevor schwere Mangelzustände und irreversible strukturelle sowie funktionelle Veränderungen der Speiseröhre eingetreten sind.
Quelle und Klinik Kontakt:
CENTRO VETERINARIO CCMV
Gabriele Dir. San. Dott. Mazzocchi
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